Immobilien-News

2021/09

Berlin als Immobilien-„Rück“-Käufer

Ein Kommentar

Berlin hat von den Immobilienkonzernen Vonovia und Deutsche Wohnen ca. 14.750 Wohnungen zu einem Kaufpreis von ca. 2,46 Mrd. € erworben.

Bereits in der Vergangenheit wurden Wohnungsbestände, die zuvor privatisiert wurden, wieder von der öffentlichen Hand zurückgekauft. Begründet wird dies stets mit der Notwendigkeit einer öffentlichen Daseinsvorsorge zum Zweck der sozialen Sicherung.

Die grundsätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass hierdurch kein zusätzlicher Wohnraum geschaffen wird, um dem Nachfrageüberhang zu begegnen. Dadurch wird – ähnlich wie bei den Instrumenten Mietendeckel und Mietpreisbremse – die wesentliche Ursache von Miet- und Kaufpreissteigerungen nicht behoben.

Unabhängig davon könnte argumentiert werden, dass durch den Rückkauf der Bestand an öffentlichen (Sozial-)Wohnungen zunimmt, was – staatlich gesteuert – die Versorgung der sozial schwächeren Bevölkerungsteile verbessert.

Dem kann entgegengehalten werden, dass der Rückkauf aktuell wieder in einer Boomphase des Immobilienmarktes erfolgt, während nach Angabe des Chefs der Deutsche Wohnen Michael Zahn fast alle diese Wohnungen Anfang der 2000er Jahre privatisiert wurden. Diese Periode ist mit der Boomphase der letzten 10 Jahre nicht zu vergleichen. Dass die öffentliche Hand nun durchschnittlich 2.400 € pro qm Wohnfläche bezahlt, die gleichen Wohnungen damals jedoch für gerade einmal ein Viertel dieses Preises verkauft hat, macht stutzig, muss angesichts der Assetinflation aber nicht per se schlecht sein. Allerdings stellt sich schon die Frage, weshalb gerade in der Boomphase des Immobilienmarktes große Wohnungsbestände zurückgekauft werden. Ganz davon abgesehen, dass Immobilienprofis wie die Vonovia und die Deutsche Wohnen wohl kaum einem aus deren Sicht unvorteilhaften Geschäft zustimmen würden. Dass von öffentlicher Seite argumentiert wird, der Ankauf wäre kreditfinanziert und damit für den öffentlichen Haushalt quasi zu rechtfertigen, ist kein vernünftiges kaufmännisches Argument.

Es bleibt abzuwarten, wann diese Wohnungen wieder privatisiert werden, vermutlich in der nächsten Phase der Rezession im Immobilienmarkt. Und ja, auch wenn die meisten – wohl auch öffentlichen Amtsträger – angesichts der Erfahrungen der letzten 10-15 Jahre sich das nicht vorstellen können oder wollen: Jeder Immobilienmarkt verläuft zyklisch, es wird irgendwann auch wieder realwirtschaftlich sinkende Immobilienpreise geben.

Für die Richtigkeit der enthaltenen Informationen wird keine Haftung übernommen. Die Inhalte spiegeln allein die Meinung des Verfassers wider. Es wird keine Rechts- und Steuerberatung vorgenommen. Bitte holen Sie sich zur Beurteilung Ihrer individuellen Situation den Rat eines Steuerberaters und Rechtsanwalts ein.

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