Immobilien-News

2021/07

Immobilienblase?

Leider wird immer wieder von einer Blasenbildung am Immobilienmarkt gesprochen, ohne den Begriff „Immobilienblase“ zu definieren. Somit ist unklar, was jeder Einzelne darunter versteht. Der größte gemeinsame Nenner ist wohl, die Blasenbildung mit einer Überwertung zu erklären. Fraglich bleibt, wann eine Überwertung vorliegt und ob jede Überbewertung auch eine Blasenbildung nach sich zieht. Ich versuche einmal eine Definition und schlage folgende Kriterien vor, bei deren Eintritt von einer Immobilienblase gesprochen werden kann:

    1. Keine oder mangelhafte makroökonomische Unterstützung der Immobilienpreise. Das heißt, dass zum Beispiel Preissteigerungen nicht mit einer starken wirtschaftlichen Gesamtsituation einhergehen. Indikatoren wären die Arbeitsmarktdaten, das Bruttoinlandsprodukt, das Wirtschaftswachstum, etc.
    1. Lockerung der Kreditvergabe begünstigt die Kreditvergabe an weniger solvente Kunden. Das erhöht zunächst die Nachfrage, kann aber im späteren Verlauf mehr Kreditausfälle bewirken.
    1. Die Geldmenge wird nicht im ähnlichen Verhältnis erhöht wie die Preise steigen. Durch die expansive Geldpolitik der Zentralbanken gelangt unweigerlich mehr Geld in den Umlauf, das zu einem bestimmten Teil auch in Immobilien investiert wird. Die darauf zurückzuführende Preiserhöhung steht einer Blasenbildung eher entgegen.
    1. Ein sehr wichtiger Punkt in der Immobilienwirtschaft ist die Nachfrageseite. Eine Preissteigerung, die nicht mindestens zum Teil durch entsprechende Nachfrage gedeckt ist, ist einer Blasenbildung am Immobilienmarkt zuträglich.
  1. Die Preisentwicklung des Immobilienmarktes hat sich von der anderer Assets entkoppelt.

Bewerten wir die aktuelle Situation:

Zunächst einmal ist eine Immobilienblase erst anzunehmen, wenn nicht nur eines der oben stehenden Kriterien zutrifft, sondern mehrere gleichzeitig.

In der aktuellen Lage sind die Immobilienpreise relativ gut makroökonomisch gestützt (Punkt 1), wurden die Kriterien der Kreditvergabe eher noch verschärft (Punkt 2), wurde die Geldmenge im Markt in den vergangenen 12 Monaten extrem erhöht (Punkt 3), ist die Nachfrage nach Wohnraum zumindest im oberbayerischen Raum ungebrochen (Punkt 4) und zeigt die Preisentwicklung anderer Assets wie Aktien, Gold und Unternehmensbeteiligungen ebenfalls nach oben (Punkt 5).

Somit trifft keines der Kriterien für eine Immobilienblase zu!

Es sollte somit mehr von einer Asset Inflation gesprochen werden als von einer Blase.

Für die weitere Entwicklung sind allerdings vor allem auch politische Entscheidungen zu berücksichtigen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass hier zum Zwecke des Klimaschutzes und zur sozialen Umverteilung erhöhte Regulierung angestrebt wird. Dies kann preissenkende Effekte, allerdings auch paradoxerweise durch geringere Bautätigkeit preissteigernde Effekte nach sich ziehen.

Wichtiger Hinweis zum Blog:
Für die Richtigkeit der enthaltenen Informationen wird keine Haftung übernommen. Die Inhalte spiegeln allein die Meinung des Verfassers wider. Es wird keine Rechts- und Steuerberatung vorgenommen. Bitte holen Sie sich zur Beurteilung Ihrer individuellen Situation den Rat eines Steuerberaters und Rechtsanwalts ein.

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